Schwangerschafts-Apps im Datenschutz-Check: Was Nutzerinnen wissen müssen

Schwangerschafts-Apps sind für viele werdende Eltern fester Bestandteil des Alltags. Sie helfen beim Dokumentieren von Symptomen, erinnern an Arzttermine und informieren über die Entwicklung des Babys.

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Schwangerschafts-Apps im Datenschutz-Check: Was Nutzerinnen wissen müssen

Doch mit jeder Eingabe landen hochsensible Daten auf den Servern der Anbieter. Gesundheitsdaten gelten als „besonders schützenswert“ (Art. 9 DSGVO), sind aber gleichzeitig für Werbefirmen, Versicherungen und Datenhändler sehr interessant.

Viele Nutzerinnen fragen sich daher: Wie sicher sind Schwangerschafts-Apps wirklich – und was können sie selbst tun, um ihre Privatsphäre zu schützen?

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Das Wichtigste in Kürze

  • Über 50 % der Schwangeren nutzen Apps zur Begleitung ihrer Schwangerschaft (BMC Pregnancy and Childbirth, 2024).
  • Apps erfassen Gesundheits-, Verhaltens- und Standortdaten – oft in großem Umfang.
  • Studien und Medienberichte zeigen: Daten werden teils an Dritte weitergegeben.
  • DSGVO gibt Nutzerinnen Rechte wie Auskunft, Löschung und Widerspruch.
  • Mit bewusster App-Auswahl und Einstellungen lassen sich Risiken deutlich reduzieren.


Inhaltsverzeichnis

Warum Schwangerschafts-Apps so beliebt sind

Über die Hälfte aller Schwangeren nutzt heute Apps, um den Verlauf der Schwangerschaft zu begleiten. (BMC Pregnancy and Childbirth, 2024)

Die Anwendungen bieten:

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  • Symptomtagebücher (Übelkeit, Müdigkeit, Gewichtskontrolle)
  • Kalenderfunktionen (z. B. für Ultraschall oder Vorsorge)
  • Wissen zur Babyentwicklung
  • Erinnerungen an Medikamente oder Vitamine

Das erleichtert den Alltag und vermittelt das Gefühl von Kontrolle.

Welche Daten diese Apps sammeln

Schwangerschafts-Apps erfassen meist drei Datenkategorien:

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  • Gesundheitsdaten: Zyklus, Symptome, Gewicht, Blutdruck, Medikamente
  • Persönliche Daten: Name, E-Mail-Adresse, Standort
  • Verhaltensdaten: Nutzungszeit, Klicks, App-Interaktionen

In einer Studie wurden über 1,5 Mio. Symptome von 183.732 Nutzerinnen ausgewertet (npj Digital Medicine, 2023). Solche Daten sind wertvoll – vor allem, wenn sie mit externen Quellen kombiniert werden.

Risiken & reale Datenschutzprobleme

Medienberichte und Studien zeigen: Nicht alle Apps gehen verantwortungsvoll mit den Daten um.

  • The New Yorker (2024) dokumentierte Fälle, in denen Zyklus- und Schwangerschaftsdaten an Dritte gelangten.
  • Unterschiede in den Standards: EU-Apps müssen sich an die DSGVO halten, viele internationale Anbieter jedoch nicht.
  • Werbung & Tracking: Daten werden oft für gezielte Werbung genutzt.
  • Sekundäre Nutzung: Theoretisch könnten auch Versicherungen von solchen Profilen profitieren.

Fallbeispiel:
Lisa (32) nutzte seit der 10. Schwangerschaftswoche eine App. Schon bei der Installation verlangte sie Zugriff auf den Standort. Nach Recherche stellte Lisa fest, dass der Anbieter in den USA sitzt und Daten an Werbenetzwerke weiterleitet. Sie entschied sich, die App zu löschen und offline zu dokumentieren.

Vergleichstabelle: EU-Apps vs. Internationale Anbieter

KriteriumEU-Anbieter (DSGVO)Internationale Anbieter (z. B. USA)
Rechtlicher RahmenStrenge DSGVO-VorgabenSchwächere oder keine Regulierung
NutzungsbedingungenHäufig transparenter, aber variabelOft komplex und schwer verständlich
DatenweitergabeEingeschränkt erlaubtHäufig für Werbezwecke
NutzerrechteAuskunft, Löschung, WiderspruchEingeschränkt oder nicht geregelt
Transparenz der Datenschutzerklärungteils verständlich, aber lückenhaft (BMC, 2022)oft unklar oder versteckt

DSGVO & Rechtslage – was Nutzerinnen schützt (und was nicht)

  • Rechte nach DSGVO: Auskunft, Löschung (Art. 17), Einschränkung, Widerspruch.
  • Definition: Gesundheitsdaten gelten nach Art. 4 und Art. 9 DSGVO als „besondere Kategorien personenbezogener Daten“.
  • Anwendbarkeit: Auch Anbieter außerhalb der EU können der DSGVO unterliegen, wenn sie gezielt EU-Nutzer adressieren (Art. 3 DSGVO).
  • Grenze: Durchsetzung außerhalb Europas ist schwieriger.

So schützt du deine Daten – Tipps für Nutzerinnen

Datenspur reduzieren in 2 Minuten:

  1. Standortzugriff in der App deaktivieren.
  2. Backups und automatische Synchronisierung prüfen.
  3. Datenexport und -löschung regelmäßig testen.

Weitere Maßnahmen:

  • App-Auswahl: Anbieter mit Sitz in der EU bevorzugen.
  • Datenschutzerklärung lesen: auch wenn mühsam.
  • Minimalprinzip: nur notwendige Daten eingeben.
  • Offline-Alternative: Schwangerschaftsnotizen im Heft führen.

FAQ – Häufige Fragen

Sind Schwangerschafts-Apps DSGVO-konform?
Nur, wenn Anbieter EU-Recht unterliegen oder sich freiwillig daran orientieren.

Welche Apps sind sicher?
Apps mit TÜV-Siegeln oder EU-Zertifikaten bieten mehr Transparenz, unabhängige Tests sind allerdings selten.

Wie lösche ich meine Daten?
Entweder über die App-Einstellungen oder durch einen Antrag auf Löschung nach Art. 17 DSGVO.

Können Versicherungen Zugriff auf meine Daten haben?
Direkt nicht. Über Datenhändler und Werbenetzwerke kann ein indirekter Zugriff jedoch nicht ausgeschlossen werden.

Fazit & Ausblick

Schwangerschafts-Apps sind praktisch, bergen aber erhebliche Risiken für die Privatsphäre. Nutzerinnen sollten kritisch prüfen, welche Daten sie preisgeben – und welche nicht.

Die Politik hat erste Schritte unternommen: Der Digital Services Act gilt seit Februar 2024, der AI Act trat im August 2024 in Kraft und wird bis 2027 vollständig umgesetzt. Beide Gesetze sollen mehr Transparenz und Sicherheit schaffen.

Bis dahin bleibt die Devise: bewusst auswählen, Rechte nutzen, Daten sparsam teilen.


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