Für viele Familien gehört er einfach dazu: der Schnuller. Kaum ist das Baby auf der Welt, wird fleißig genuckelt – zur Beruhigung, zum Einschlafen, zur Gewohnheit. Er ist ein echtes Alltagsheldchen – handlich, immer dabei und so beruhigend wie kaum etwas anderes. Kein Wunder also, dass sich viele Eltern früher oder später fragen: Wie schaffen wir es, den Schnuller abgewöhnen zu können, ohne dass es Tränen oder große Kämpfe gibt?

Denn irgendwann ist er da, der Moment des Abschieds. Und auch wenn er sich im ersten Moment groß anfühlt, ist er ein natürlicher Entwicklungsschritt. In diesem Artikel schauen wir uns gemeinsam an, warum das Abgewöhnen wichtig ist, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist und vor allem: wie du diesen Weg für dein Kind sanft und liebevoll gestalten kannst.
📌 Das Wichtigste in Kürze
| Thema | Kurzinfo |
|---|---|
| Wann abgewöhnen? | Ideal zwischen dem 2. und 3. Lebensjahr |
| Für Stillkinder geeignet? | In den ersten Wochen besser vermeiden (Saugverwirrung!) |
| Risiken bei Dauereinsatz | Zahnfehlstellungen, Sprachverzögerung, Ohrenentzündungen |
| Beliebte Methoden | Schnullerfee, Schnullerbaum, schrittweises Reduzieren |
| Hygiene-Tipp | Schnuller regelmäßig auskochen oder sterilisieren |
🧐 Warum sollte man den Schnuller abgewöhnen?
Der Schnuller erfüllt anfangs eine wichtige Rolle: Er beruhigt dein Baby, hilft beim Einschlafen und gibt Sicherheit. Gerade in den ersten Wochen ist er eine Art „emotionaler Anker“, der dem kleinen Menschen Sicherheit in einer neuen, großen Welt gibt. Für viele Eltern bedeutet der Schnuller auch Entlastung im Alltag – schließlich lässt sich mit ihm so manches Weinen schneller stillen. Doch wenn der Schnuller zur Dauerlösung wird, kann genau dieser Trostspender auch zum Problem werden. Kinder gewöhnen sich daran, bei jeder Unsicherheit, bei Langeweile oder sogar aus Gewohnheit zum Schnuller zu greifen. Und genau da liegt die Herausforderung. Deshalb ist es wichtig, den Schnuller abgewöhnen nicht ewig aufzuschieben, sondern rechtzeitig darüber nachzudenken, wann und wie dieser Übergang am besten gelingt.
Das sind die häufigsten Gründe:
- 🦷 Zahn- und Kieferprobleme: Der klassische „offene Biss“ entsteht oft durch zu langes Nuckeln.
- 🗣 Sprachverzögerung: Wenn ständig etwas im Mund steckt, wird weniger gesprochen – das hemmt die Sprachentwicklung.
- 👂 Ohrenentzündungen: Studien zeigen einen Zusammenhang zwischen Schnullergebrauch und häufigen Mittelohrinfektionen.
👉 Zahnärzt:innen und Kinderärzt:innen raten, den Schnuller spätestens zum dritten Geburtstag abzugeben.
👶 Schnuller für Stillkinder – passt das zusammen?
Stillen und Schnuller sind ein umstrittenes Duo. Das liegt daran, dass der Saugvorgang an der Brust ein ganz anderer ist als beim Schnuller. Gerade in den ersten Lebenswochen ist das Baby noch dabei, die richtige Technik zu lernen. Wenn es dann zusätzlich einen Schnuller bekommt, kann es sein, dass es an der Brust plötzlich nicht mehr richtig trinkt. Diese sogenannte Saugverwirrung kann zu Frust beim Stillen führen – bei Mutter und Kind.

Viele Eltern merken gar nicht sofort, dass der Schnuller das Stillen beeinflusst, bis das Baby plötzlich weniger trinkt oder unruhiger wird. Deshalb ist hier besondere Achtsamkeit gefragt.
Empfehlung:
Wenn du stillst, solltest du frühestens nach 4–6 Wochen einen Schnuller einführen – am besten erst dann, wenn das Stillen wirklich gut klappt und ihr beide darin sicher seid. Die WHO empfiehlt ebenfalls Zurückhaltung – und deine Hebamme oder Stillberaterin ist bei Fragen immer eine wertvolle Ansprechpartnerin.

🍒 Kirschschnuller: sanfte Alternative?
Ein Kirschschnuller hat eine rundliche, bauchige Form, die der mütterlichen Brustwarze ähnelt – deshalb wird er besonders häufig für Stillkinder empfohlen. Durch seine Form passt er sich besser an den kindlichen Mundraum an und unterstützt das natürliche Saugverhalten. Viele Eltern berichten, dass ihre Babys mit einem Kirschschnuller besser zurechtkommen als mit flach geformten Modellen, weil er sich beim Nuckeln angenehmer anfühlt und vertrauter wirkt. Wichtig ist dabei natürlich auch das Material: Kirschschnuller bestehen häufig aus weichem Naturkautschuk, was sich warm und flexibel anfühlt – ähnlich wie Haut.
Gut zu wissen:
- Kirschschnuller sind meist aus weichem Naturkautschuk
- Die runde Form kann das Risiko einer Saugverwirrung senken
- Aber auch hier gilt: nicht dauerhaft nutzen
🦷 Kiefergerechter Schnuller – gibt es das wirklich?
Viele Schnuller werden als „kiefergerecht“ beworben – doch der Begriff ist nicht geschützt. Laut der Apotheken Umschau gibt es bislang keinen Schnuller, der wirklich kiefergerecht ist. Jeder Schnuller beeinflusst die Entwicklung des Kiefers – egal in welcher Form.
Allerdings gibt es Modelle, die weniger Schaden anrichten als andere. Besonders wichtig ist:
- ein möglichst dünner, flexibler Saugerhals,
- eine flache Saugerform,
- ein leichtes Schild, das nicht gegen die Lippen drückt.
- möglichst früh den Schnuller abgewöhnen
Auch die Größe spielt eine Rolle: Ein kleinerer Schnuller nimmt weniger Platz im Mund ein und minimiert so das Risiko für Zahnfehlstellungen. Wichtig ist also nicht nur die Form, sondern auch das maßvolle Einsetzen.
⚖️ Kein Schnuller ist oft die beste Lösung
So verlockend er im Alltag auch ist – aus medizinischer Sicht wäre es am besten, ganz auf den Schnuller zu verzichten oder wenn nciht möglich, so früh wie irgend möglich wieder den Schnuller abgewöhnen. Stillen, Körperkontakt und liebevolle Zuwendung sind die besten „Beruhigungsmittel“ für kleine Kinder.
Aber wir wissen: Manchmal geht es nicht anders. Manche Kinder haben ein starkes Saugbedürfnis oder finden ohne Nuckel schlichtweg nicht zur Ruhe.
In solchen Fällen gilt: „So wenig wie möglich, so viel wie nötig.“
👉 Der Schnuller sollte nicht dauerhaft im Mund sein, sondern gezielt eingesetzt werden – zum Einschlafen oder in emotional belastenden Situationen.
👉 Eine Schnullerkette, die ständige Verfügbarkeit signalisiert, ist eher kontraproduktiv.
👉 Lieber bewusst anbieten, statt immer griffbereit zu lassen.
So wird der Schnuller – wie ein Medikament – nur dann eingesetzt, wenn es wirklich notwendig ist.
⚠️ Welche Risiken birgt der Schnuller langfristig?
Hier eine kurze Übersicht der häufigsten Folgen, warum zügig den Schnuller abgewöhnen so wichtig ist:
| Risiko | Warum es problematisch ist |
| 🦷 Zahnfehlstellungen | Dauerhaftes Nuckeln verändert Kieferform – z. B. offener Biss |
| 🗣 Sprachprobleme | Kinder sprechen weniger und artikulieren schlechter |
| 👂 Ohrenentzündungen | Nuckeln bei geschlossener Mundatmung kann Keime in die Ohren treiben |
| 😞 Abhängigkeit | Manche Kinder gewöhnen sich schwer wieder an andere Einschlafhilfen |
Deshalb ist es wichtig: rechtzeitig den Schnuller abgewöhnen!
🧼 Schnuller abkochen nicht vergessen!
Gerade in den ersten Lebensmonaten ist Hygiene besonders wichtig – das Immunsystem deines Babys ist noch im Aufbau, und viele Keime, die für Erwachsene harmlos sind, können bei Säuglingen zu Infekten führen. Ein heruntergefallener Schnuller kann schnell zur Keimschleuder werden, insbesondere wenn er draußen auf der Straße oder in öffentlichen Einrichtungen landet. Auch scheinbar saubere Oberflächen sind oft nicht keimfrei. Deshalb solltest du den Schnuller regelmäßig reinigen und gerade in den ersten Monaten besonders gründlich sein:
- In den ersten 6 Monaten: Täglich abkochen
- Danach: 2–3 Mal pro Woche reicht meist
- Mikrowellen-Sterilisation ist eine praktische Alternative
👉 Auch wenn du bald den Schnuller abgewöhnen willst: Bis dahin gilt sauber halten!
🌈 Tipps zum Schnullerabschied, die wirklich helfen
Den Schnuller abgewöhnen ist kein Sprint, sondern ein kleiner, emotionaler Prozess. Es geht nicht nur darum, einen Gegenstand wegzunehmen – es geht darum, deinem Kind zu helfen, sich von einer liebgewonnenen Gewohnheit zu lösen. Oft steckt hinter dem Nuckel viel mehr als nur das Bedürfnis zu saugen: Er bietet Sicherheit, ist Ritual und manchmal auch Rückzugsort. Deshalb ist es so wichtig, mit Feingefühl und Geduld vorzugehen. Mit diesen Ideen klappt es entspannter:
🧙♀️ Die Schnullerfee
Der Klassiker unter den Abgewöhnungs-Methoden: Die Schnullerfee holt nachts ganz heimlich den Schnuller ab, während das Kind schläft, und hinterlässt ein kleines, liebevoll ausgewähltes Geschenk. Diese magische Geschichte verleiht dem Abschied einen besonderen Zauber – aus Verlust wird Vorfreude, aus Trennung ein kleines Abenteuer. Viele Kinder fiebern dem Besuch der Schnullerfee regelrecht entgegen, wenn die Eltern die Idee mit ein bisschen Fantasie begleiten. Ein liebevoll geschriebener Brief oder eine kleine Geschichte am Abend kann das Ritual noch besonderer machen.
- Brief schreiben
- Geschenk aussuchen (z. B. ein Buch, Kuscheltier)
- Nacht mit der Fee planen – am besten als kleines Ritual
📌 Inspiration & Vorlagen: Schnullerfee Brief bei kinderspielexperten.de
🌳 Der Schnullerbaum
In vielen Städten stehen Schnullerbäume – dort dürfen Kinder ihren Nuckel ganz offiziell und feierlich „aufhängen“. Das macht den Abschied nicht nur sichtbar, sondern auch erlebbar. Für viele Kinder ist es ein großes Ereignis: Sie dürfen ihren Schnuller mit einem bunten Band an einen Ast binden – als Zeichen, dass sie nun „groß“ sind. Oft sind diese Momente verbunden mit kleinen Festen, Fotos, einer Urkunde oder einer Belohnung. Das Gemeinschaftsgefühl und das Ritual helfen dabei, den Abschied positiv zu verankern – und für Eltern ist es eine schöne Erinnerung, die man vielleicht sogar im Fotoalbum festhalten kann.
Frag mal in der Kita oder im Familienzentrum nach – vielleicht gibt es auch bei euch einen Baum!
⏳ Schrittweise entwöhnen
Nicht jeder braucht die große Inszenierung – manchmal klappt’s auch in kleinen Schritten:
- Nur noch beim Einschlafen benutzen
- Dann auch dort langsam den Schnuller abgewöhnen/ ausschleichen
- Irgendwann ist er einfach „verschwunden“
🧸 Unterstütze dein Kind mit einem neuen Kuscheltier oder Einschlafbuch.
❤️ Fazit: Mit Geduld zum Erfolg
Den Schnuller abgewöhnen ist ein wichtiger Entwicklungsschritt – für dein Kind, aber auch für dich als Elternteil. Es ist ein Prozess, der nicht immer gradlinig verläuft, sondern Raum für Rückschritte und emotionale Höhen und Tiefen bietet. Und das ist völlig in Ordnung. Manche Kinder brauchen länger, manche sind überraschend schnell bereit. Wichtig ist, dass du liebevoll bleibst, konsequent bist und auf dein Kind eingehst – ohne Druck, aber mit klarer Haltung.
👉 Unser Tipp: Macht den Abschied zu etwas Besonderem. Ob mit Fee, Baum oder ganz ruhig – mit Herz, Fantasie und Geduld funktioniert es fast immer. Und wenn es mit dem Schnuller abgewöhnen mal länger dauert: Auch das gehört zum Großwerden dazu.